Die Churer Zünfte – oder wer in Chur das Sagen hatte
Über Jahrhunderte umschliessen eine Mauer und ein Graben die Stadt Chur. Doch die Mauer zerfällt im frühen 19. Jahrhundert zusehends und 1828 wird der Graben aufgefüllt. Eine neue Strasse entsteht, die beidseits mit Pappeln bepflanzt wird.
Die altehrwürdigen Churer Zünfte legen Beschwerde ein «gegen das Anlegen der unnützen Alleen», doch statt der Pappeln und der neuen Grabenstrasse müssen bald die Zünfte weichen. 1840 wird das Zunftwesen zugunsten der Gewerbefreiheit aufgehoben.
Gut vier Jahrhunderte lang bildeten die Zünfte die mächtigste politische Kraft in Chur. Wie weit die Macht der fünf Handwerkervereinigungen reichte, zeigt etwa ein Formular von 1751, das im Rätischen Museum aufbewahrt wird. Das Formular zeigt oben das Stadtwappen, das von den fünf Zunftwappen umschlossen wird. Platz für fremde Arbeiter oder andere politische Kräfte gibt es hier nicht. Immerhin: Mittels dieses Formulars wird Steffen Schmiedt aus Felsberg zum Hintersäss. Heisst so viel wie: Der Felsberger bekommt in Chur eine Art Niederlassungsbewilligung