Objekte / Dokumente
- Foto Feuerstein, Scuol (1879 - ca. 2000)
Titel / Bezeichnung
Foto Feuerstein, Scuol
Datum
1879 - ca. 2000
Verzeichnungsstufe
Bestand
Institution
Weitere Institutionen
Verwaltungsgeschichte / Biografische Angaben
Bei Foto Feuerstein, Scuol handelt es sich um einen Familienbetrieb, bei welchem vier Fotografen aus drei Generationen mitgewirkt haben. Bis Ende der 1940er Jahre waren der Gründer Johann (1871-1946) und sein Sohn Domenic (1900-1949) für die Geschicke des Geschäfts verantwortlich. Kurz hintereinander starben die beiden 1946 und 1949 und hinterliessen ihr Erbe den Söhnen Domenics: Jon (1925-2010) und Domenic, genannt «Mic», (1928-2006).
Johann Feuerstein erlernte bei Alexander Flury in Pontresina das fotografische Handwerk und erwarb 1908 in München das Meisterdiplom. 1898 eröffnete er eine einfache Fotowerkstatt, 1904 bezog er ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Mit Bestimmtheit erlebte sein Geschäft nach Ende des Ersten Weltkriegs eine Blüte, die bis in die Wirtschaftskrise der 1930er Jahre andauerte. Der Tourismus brachte internationale Kundschaft in den Bade- und Luftkurort, der allerdings vor allem im Sommer florierte. Daneben arbeitete Johann Feuerstein für die Rhätische Bahn, für den Verkehrsverein und die Hotellerie oder dokumentierte mehrere Dorfbrände in der näheren Umgebung (Sent 1921, Susch 1925) und begleitete fotografierend den Ausbau des Postautoverkehrs. Von zentraler Bedeutung für sein Schaffen war der Nationalpark. 1909 gegründet und 1914 von der Eidgenossenschaft übernommen, wurde dieser zu einem zentralen Umfeld für Johann und später seinen Sohn und die Enkel. Als Jäger selber mit der Natur und den Tieren vertraut, schuf er unvergleichliche Fotografien der alpinen Schutzlandschaft, von Wäldern, Bäumen, der Fauna und Flora.
Sein Sohn Domenic (1900-1949) absolvierte seine Berufslehre entweder beim Vater oder in St. Moritz im Atelier von Andreas Pedrett, der als begeisterter und begabter Sport- und Bergfotograf galt. Er eröffnete 1926 in Locarno ein eigenes Fotogeschäft und kam mit Künstlern und der Bohème vom Monte Verità in Kontakt. 1929 kehrte er ins Engadin – nach Zuoz – zurück. Das Geschäft, das Domenic dort zu betreiben begann, florierte jedoch nicht, und er arbeitete ab ungefähr 1932 wieder im väterlichen Atelier mit. Er war für den Verkehrsverein Graubünden aktiv, für den er auch Filme drehte. Domenic genoss neben der beruflichen Arbeit im Atelier beträchtlichen Freiraum, um die fotografische und die schriftstellerische Begabung zusammen mit seiner Naturverbundenheit entfalten zu können. Zwischen 1935 und 1946 schrieb er nicht weniger als fünf Bücher, die er mit Ausnahme des letzten mit eigenen Tier-, Natur- und Landschaftsaufnahmen illustrierte. Neben ergreifenden Tiergeschichten, etwa diejenige über Peterli das Murmeltier oder Wupp das Eichhörnchen, entstand 1939 der Band über den Arvenwald von Tamangur.
Jon Feuerstein begann beim Grossvater Johann eine Lehre, die er nach dem Krieg bei Gustav Sommer in Samedan abschloss. Anschliessend arbeitete er als Assistent und Laborant bei Fritz Langendorf in Wädenswil. Beim Tod des Vaters Domenic 1949 kehrte er nach Scuol zurück. Über die Ausbildung Mic Feuersteins ist nichts bekannt. Wie sein Bruder Jon muss er jedoch kurz nach dem Tod des Vaters ins elterliche Geschäft eingestiegen sein und fotografierte in dessen Rahmen, was anfiel. Die Söhne von Domenic Feuerstein mussten sich abrupt im harten Fotografenalltag zurechtfinden. Sie waren auch mit der wenig erfolgsversprechenden Situation, wie sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg präsentierte, konfrontiert. Dass ihnen dies recht gut gelang, hängt mit den im Hintergrund wirkenden Frauen zusammen. Von Bedeutung waren dabei Domenics Frau Anna und ihre Schwester Olga, die seit der Geburt Jons 1925 im selben Haushalt lebte und arbeitete.
Mit dem Aufschwung des Tourismus begann das Geschäft aber wieder zu florieren. Zum Kur- und Badebetrieb im Sommer hinzu entwickelte sich ab Mitte der 1950er Jahre auch zunehmend der Skisport im Winter. Dazu führten die beiden auch das Ansichtskartengeschäft weiter, das von Johann und Domenic schon seit einiger Zeit betrieben worden war. Ein Grossteil der Aufträge Jons und Mics stammten aus dem regionalen Gewerbe, der Hotellerie und der Gastronomie, die vermehrt mit Drucksachen Werbung machten. Ein Grossauftrag, der Jon Feuerstein und seine Angestellten in den sechziger Jahren während gut über zehn Jahren in Anspruch nahm, war die Dokumentation des Baus der Engadiner Kraftwerke.
Bis in die 1970er Jahre betrieben die Brüder Jon und Mic ihre Geschäfte gemeinsam als "Feuerstein und Söhne". 1972 stieg Mic aus dem gemeinsamen Geschäft aus und folgte seiner Leidenschaft und wechselte als Kameramann und Filmer zum Fernsehen. In einer ganzen Reihe von Dokumentarfilmen thematisierte er die Fauna des Nationalparks, insbesondere die Wiederansiedlung des Bartgeiers zu Beginn der 1990er Jahre. Seine Fähigkeiten machten ihn zum gefragten Spezialisten, so dass ihn auch renommierte Filmstudios wie Disney für Aufnahmen im Hochgebirge beizogen. Darüber hinaus war Mic Feuerstein auch an Spielfilmen beteiligt. Jon Feuerstein fotografierte weiter bis über die Jahrtausendwende.
Die Nachfahren der Fotografen Feuerstein haben 2012 die Stiftung "Fundaziun Fotografia Feuerstein" zum Zweck des Erhalts des fotografischen Nachlasses der Familie Feuerstein und der systematischen Aufarbeitung des Fotoarchivs zwecks professioneller Archivierung gegründet. Die Stiftung hat dem Staatsarchiv Graubünden das Archiv als Depositum übergeben.
[Vgl. Hugger, Paul (Hg.): Bündner Fotografen. Biografien und Werkbeispiele, Zürich 1992, S. 132-143; Schürpf, Markus: Feuerstein-Fotografen Scuol. Der Bestand der Fotografen Johann, Domenic, Jon und Mic Feuerstein, Expertise Bern 2011; fotoCH, URL: https://de.foto-ch.ch/#/photographer#!, Stand 10.06.2020; Fundaziun fotografia feuerstein, URL: https://www.foto-feuerstein.ch/, Stand 10.06.2020]
Anzahl / Umfang
57517.00 Foto(s)
1.12 Laufmeter
2.00 Plan/Pläne
9.00 Filmrolle(n)
3.00 Tonband/Tonbänder
Form und Inhalt
Der Bestand umfasst einen Zugang:
- N1 Foto Feuerstein: Fotonachlass 1879-2000 enthaltend Fotografien aus der Tätigkeit des Fotogeschäfts Foto Feuerstein, Scuol. Der Nachlass umfasst die fotografische Hinterlassenschaft von Johann Feuerstein (1871-1946), von seinem Sohn Domenic (1900-1949), sowie dessen Söhne Jon (1925-2010) und Domenic, genannt «Mic», (1928-2006).
Kategorie
Standort
Staatsarchiv Graubünden
Provenienz
Quelle
Archivdatenbank des Staatsarchiv Graubünden: https://staatsarchiv-findsystem.gr.ch/home/#/content/7430c27c8674454cb9a36c511a072285
Benutzbarkeit
TeilweiseGesuchspflichtig
Zugangsbestimmungen
Im Bestand vergebene Schutzfristen: 0 Jahre (Frei zugänglich), 80 Jahre (Besonders schützenswerte Personendaten gem. Vertrag)
Schutzfrist
999 Jahre (Verschiedene Schutzfristen)
Schutzfrist Ende
02.01.2060