Objekte / Dokumente
Hippsche Wendescheibe
Alternativer Titel
Elektrische Wendescheibe (Abschlusssignal)
Datum
um 1909
Name der Person / Organisation
Matthäus Hipp (Urheber/-n /Schöpfer/-in); Firma Hasler und Favarger (Hersteller/-in); Rhätische Bahn (Ehemalige/-r Eigentümer/-in)
Institution
Beschreibung
Mathias Hipp 1813-1893
Hipp stammte aus Süddeutschland, hat aber sein Arbeitsleben in der Schweiz verbracht. Seine Spezialität war das Telegraphenwesen, d.h. die Übertragung von Information mit Schwachstrom. Nachdem er in der Bundesverwaltung keine angemessenen Karrieremöglichkeiten mehr sah, gründete er 1860 eine Firma in Neuchâtel. 1875 wird in der Eisenbahn-Fachpresse seine Erfindung einer elektrisch betätigten Signalscheibe bekannt. Ihr Vorteil war, dass sie, da ohne Drahtzüge, auf grössere Distanzen steuerbar war und z.B. im Winter nicht einfror.
Was kann eine Wendescheibe?
• die Wendescheibe kann auf mehrere Hundert Meter Distanz dem Lokführer eine ja/nein- Auskunft liefern, normalerweise die Auskunft «darf ich in die vor mir liegende Station einfahren?» Der Bahnhofvorstand kann sie vom Bahnhof aus steuern, und erhält die Rückmeldung, ob das Signal in der gewünschten Position steht. Sie nutzt den innovativen elektrischen Strom zur Informationsübertragung, braucht für die Kraft, um die Scheibe zu drehen, aber ein traditionelles Gewicht wie eine Kuckucksuhr.
Was kann eine Wendescheibe nicht?
• eine Wendescheibe kann nicht, wie heutige Signale, in Abhängigkeit von anderen Signalen oder Weichen gestellt werden. Der Bahnhofvorstand muss sich «von Auge» überzeugen, dass das Stationsgleis frei ist und dass die Weichen richtig stehen, bevor er die Wendescheibe auf «einfahren» stellt.
• eine Wendescheibe kann auch nicht als Ausfahrsignal verwendet werden und die freie Strecke zum nächsten Bahnhof signalisieren. Eine Wendescheibe kann also nicht eine Kollision auf offener Strecke verhindern.
Die Hipp’sche Wendescheibe bei der RhB
Die Rhätische Bahn installierte Wendscheiben als Einfahrsignale auf fast allen Stationen. Andere Elemente der ursprünglichen Sicherungsanlagen waren die Stationsglocken, die den Vorstand über die Abfahrt eines Zuges aus der nächstliegenden Station informierten, und der Dienstfahrplan, der als grundlegendes Dokument die Erlaubnis zum Verkehren jedes Zuges enthielt. Abweichungen von diesem Fahrplan mussten telefonisch mit präziser Quittung vorgenommen werden.
Auch wenn die SBB und ihre privaten Vorgänger eigentlich die Mehrzahl der Wendescheiben aufstellten, bleibt sie im Gedächtnis vieler Bahnfreunde als RhB-Spezialität im Gedächtnis. Dies natürlich, weil die Wendescheiben bei der RhB bis in die 1980er Jahre noch in Betrieb waren.
Material
Eisen , Glas
Masse
Höhe: rund 4.5m, Durchmesser der grossen Scheibe: rund 90cm
Schlagworte
Trachsler-Klassifikation
Medientyp
Kategorie
Art
Standort
Bahnmuseum Albula
Erwerbsart
Schenkung
Eingangsdatum
2012
Eigentümer/-in
Stiftung Bahnmuseum Albula
Signatur / Identifikationsnummer
BMA 00617
Nachweis / Literatur
- Merian, A.: Matthias Hipp 1813-1893 und die Hipp'sche Wendescheibe. HTS 6001/178, Integra Wallisellen, 1978, S. 5-11 (exkl. Abb.).
- Film Funktionsweise Wendescheibe, Quelle Bahnmusem Albula Bergün
- Vorschriften betreffend die Elektrischen Abschlusssignale. Hrsg. Rhätische Bahn, Chur 1912
- Foto Hippsche Wendescheibe in Bergün, Quelle Bahnmuseum Albula
- Caprez, Gion: Restaurierung einer Hipp'schen Wendescheibe im Bahnmuseum Albula in Bergün. Restaurierungskonzpt, Chur, Januar 2013, Quelle Bahnmuseum Albula.
- Brüngger, Gian, Mengotti, Renato, Keller, Tibert: Abenteuer Albulabahn. Chur 2003, S. 87 (Fotografie der Wendescheibe).