Bauwerke
Schloss Marschlins, Igis
Titel / Bezeichnung
Schloss Marschlins, Igis
Alternativer Titel
Castello di Marschlins; Marschlins Castle
Datum
1462
Epoche
Mittelalter (700-1500 n. Chr.)
Institution
Beschreibung
Das Schloss Marschlins ist ein ehemaliges Wasserschloss in der Ebene nordöstlich von Igis mit einer bemerkenswerten Barockausstattung.
Es wurde als bischöfliche Gründung Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut, möglicherweise an der Stelle eines Vorläufers. Nach einem Brand wurde es 1462 durch Ulrich von Brandis neu errichtet. Eine Erneuerung und der Ausbau zum neuzeitlichen Schloss geschahen um 1635 durch Marschall Ulysses von Salis, wobei der Ost-, West- und Nordtrakt unter Einbezug der alten Türme neu aufgeführt wurden. Der frei gebliebene Raum längs der südlichen Umfassungsmauer wurde vor dem Einzug der Erziehungsanstalt Philanthropin 1771 durch einen Riegelbau geschlossen, die oberen Bauteile des Südflügels wurden 1793 erneuert. 1905 wurde von Eugen Probst eine tiefgreifende Renovation durchgeführt, gleichzeitig wurde der Südostturm um das vorkragende Obergeschoss erhöht.
Es handelt sich um eine rechteckige, um einen Innenhof gruppierte und von Wassergräben umschlossene Burganlage mit runden Ecktürmen, von denen drei (ursprünglich als Schalentürme konzipiert) gegen den Binnenhof geöffnet sind. An der Westfront präsentiert sich eine triumphbogenartige Portalanlage. Die Gebäudeanordnung entspricht der mittelalterlichen Konzeption, die Bausubstanz stammt aber mehrheitlich aus dem 17./18. Jahrhundert. Aus der Gründungszeit stammen die Türme und die nördlichen Mauerpartien des Osttraktes. Der ehemalige Wassergraben wurde im 16. Jahrhundert trocken gelegt.
Im Inneren befinden sich drei prächtig ausgestattete Räume: das «Marschallstübli» nach 1633 besitzt ein reichgeschnitztes Täfer mit Intarsien und eine eingelegte Kassettendecke sowie einenTurmofen von 1638 aus der Werkstatt Pfau und eine Kabinettscheibe von 1674 mit dem Allianzwappen Heinrich Hirzel-Yolanda von Salis. Die«Offiziersstube» von 1638 hat ein eingelegtes Volltäfer aus Arvenholz und eine Kassettendecke mit Salis-Wappen im Mittelfeld und einem Steckborner Ofen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das «Goldene Stübli» im Nordostturm ist besonders reich ausgestattet und entstand um 1670. Die Füllungen des geschnitzten Täfers sind bemalt, unter anderem mit Schlachtendarstellungen. In den Deckenkassetten sind die Sonne, 43 Sternbilder und die vier Winde zu sehen. Darin befindet sich zudem eine qualitätvolle Sammlung gotischer Skulpturen. In der 1771 im Hauptturm eingerichteten Schlosskapelle haben sich vier Rundscheiben aus der Mitte des 17. Jahrhundert mit Evangelistenbildern erhalten. Im Hof steht eine Kanone des Schweizerregiments von Salis, datiert 1676, mit dem Salis-Wappen.
Schlagworte
Medientyp
Parzellennummer
448
Gebäudeversicherungsnummer
181
Nachweis / Literatur
Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Kunstführer durch Graubünden, Bern 2008, S. 49.