Bauwerke
Benediktinerinnenkloster St. Johannes Baptist, Müstair
Titel / Bezeichnung
Benediktinerinnenkloster St. Johannes Baptist, Müstair
Alternativer Titel
Convento benedettino di S. Giovanni Battista; Benedictine Sisters' Cloister St. John the Baptist
Datum
ca. 775
Epoche
Mittelalter (700-1500 n. Chr.)
Institution
Beschreibung
Das Benediktinerkloster ist eine turmbewehrte Baugruppe aus zwölf Jahrhunderten und beherbergt den bedeutendsten Kirchenbau vor der Jahrtausendwende in der Schweiz. Bekannt ist sie vor allem wegen ihren einzigartigen Wandgemälden aus karolingischer Zeit und der bemerkenswerten Ausstattung.
Die Klosteranlage gehört seit 1983 zum Unesco-Welterbe. Archäologische Untersuchungen und Restaurierung finden seit 1969 statt. Das Kloster ist ursprünglich ein Männerkonvent des Benediktinerordens. Die örtliche Überlieferung, wonach das Kloster von Karl dem Grossen um 774 bzw. 801 gegründet worden sei, wird durch die neusten Forschungen bestätigt (Dendrodatum um 775). Müstair ist demnach das einzige Bündner Kloster, das auf eine kaiserliche Stiftung zurückgeht. Es war wohl von Beginn weg auch Nebenresidenz des Churer Bischofs zur Verwaltung der ennetbirgischen Besitzungen im Vinschgau. Nach der Verlegung der Pfalz in den nahen Vinschgau im 13. Jahrhundert wurden erst im 17. Jahrhundert erneut Räume für den Bischof eingerichtet. Das Kloster wird im ersten Viertel des 9. Jahrhunderts unter dem Namen monasterum Tuberis erstmals erwähnt, also nach dem Ortsnamen des benachbarten südtirolischen Grenzdorfes Taufers. Ab 806 ist es direkt der fränkischen Staatsmacht unterstellt. Karl III., genannt der Dicke, überlässt das Kloster 881 dem Bischof von Chur gegen churisches Besitztum im Elsass. Durch den Churer Bischof Konrad I von Biberegg (1123-45) und die Herren von Tarasp wird das Kloster neu als Nonnenkonvent wiederbelebt, dieses Frauenkloster wurde 1157 durch Bischof Adelgott reformiert. Im 13. Jahrhundert erlebte es einen erneuten Aufschwung in Zusammenhang mit einem Hostienwunder (Heiligblutreliquie). Krisenzeiten folgten dagegen während der Reformation und zur Zeit des Franzoseneinfalls von 1799, seit 1810 ist es nur noch Priorat.
Die am Ostende des Dorfes gelegene Baugruppe ist im Wesentlichen in acht Bauphasen vom 8.-20. Jahrhundert entstanden. Sie besteht aus zwei vor der Westfront der Kirche nebeneinander liegenden Klosterhöfen, um die sich Konventbauten gruppieren, sowie einem westlichen Wirtschaftshof, der trapezförmig von Mauern, zwei Tortürmen und Ökonomiegebäuden umschlossen wird. Ein weiterer Turm, der ottonische Plantaturm, schliesst sich nördlich an die Kirche an, südlich der Kirche steht die Heiligkreuzkapelle.
Schlagworte
Parzellennummer
341
Gebäudeversicherungsnummer
18
Nachweis / Literatur
Stiftung Pro Kloster St. Johann. (2023) https://www.muestair.ch/, Stand: 19.09.2023.
Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Kunstführer durch Graubünden, Bern 2008, S. 299/300.