Bauwerke
Doppelkapelle St. Ulrich und Nikolaus, Müstair
Titel / Bezeichnung
Doppelkapelle St. Ulrich und Nikolaus, Müstair
Alternativer Titel
Cappella doppia dei SS. Ulrico e Nicola; Double Chapel of St. Ulrich and St. Nicholas
Institution
Beschreibung
Die Doppelkapelle St. Ulrich und Nikolaus ist Teil des Benediktinerinnenklosters St. Johannes Baptist (UNESCO-Weltkulturgut) und befindet sich im Westflügel des Nordhofes. Sie ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Sie wurde Mitte des 11. Jahrhunderts erbaut, die Einwölbung erfolgte spätestens um 1626, aus dieser Zeit stammt die dekorative Fassadenmalerei. Der ungegliederte quadratische Chor der Unterkapelle und der halbrunde Chor mit rundbogigen Blenden der Oberkirche ragen in den Klausurhof vor.
Unten befindet sich die Ulrichskapelle mit einem Kreuzgratgewölbe im Schiff. Im Chor sind Gewölbestuckaturen zu sehen, qualitätvolle Arbeiten des 11./12. Jahrhunderts, sowie Engelreliefs (Evangelistensymbole) und antikisierende Ornamentbänder aus Akanthus, Trauben und Palmetten. Die hervorragende romanische Stuckausstattung der Ulrichskapelle stellt eine qualitätvolle Spätstufe der bereits in vorkarolingischen Zeit in Disentis, in karolingischer Zeit in San Salvatore in Brescia, im Tempietto von Cividale (Friaul) und in St. Benedikt in Mals verbreiteten Stucktradition dar.
Die Nikolauskapelle hat ein grätiges Kreuzgewölbe im Schiff und eine Halbkuppel im Chor. Der qualitätvolle Barockaltar von 1758 zeigt ein Altarbild aus dem 17. Jahrhundert. An der linken Chorbogenwand haben sich Reste romanischer Wandmalereien erhalten.
Neben der Ulrichskapelle im sogenannten Norpertsaal sind Fragmente eines romanischen Wandgemäldes mit Leben, Passion und Himmelfahrt Christi zu sehen, sie stammen wohl aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.
Die Bischofswohnung befindet sich im gleichen Trakt. Im Vorsaal zum Fürstenzimmer erstrecken sich Wandmalereien von 1659: sie zeigen die Wappen von Äbtissin und Konventualinnen mit ihren Namenspatroninnen, an der Nordwand zudem Karl den Grossen zwischen den Wappen Österreich und Tirol und an der Ostwand das Wappen des Bischofs Johannes Flugi von Aspermont (1636-61). An der Decke des Fürstenzimmers ist das Wappen der Äbtissin Ursula III Karl von Hohenbalken von 1642 zu sehen. Erhalten haben sich zudem ein Schrank mit Schuppenpilastern, ein Turmofen von 1642 mit bunt glasierten, figürlich gestalteten Reliefkacheln sowie Truhen und Kleinmöbel aus dem 16.-17. Jahrhundert.
Schlagworte
Parzellennummer
341
Gebäudeversicherungsnummer
18
Nachweis / Literatur
Stiftung Pro Kloster St. Johann. (2023) https://www.muestair.ch/, Stand: 19.09.2023.
Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Kunstführer durch Graubünden, Bern 2008, S. 306.