Bauwerke
Katholische Pfarrkirche S. Martino, Soazza
Titel / Bezeichnung
Katholische Pfarrkirche S. Martino, Soazza
Alternativer Titel
Chiesa parrocchiale di S. Martino
Datum
1626 bis 1639
Epoche
Neuzeit (1500 n. Chr.-heute)
Institution
Beschreibung
Die südöstlich des Dorfes erhöht gelegene Kirche mit hohem Glockenturm und Beinhaus ist durch einen grosszügig angelegten Treppenweg mit der am Hügelfuss gelegenen Kapelle Madonna Addolorata verbunden, mit der sie eine reizvolle Gruppe bildet.
Der 1219 erwähnte, einschiffige Bau mit zwei Rechteckchören wurde 1626-39 zur frühbarocken Saalkirche mit erweitertem Polygonalchor umgestaltet, gleichzeitig erfolgte der Anbau der Seitenkapellen an den Westteil des Langhauses. Der Nordturm mit zwei Glockengeschossen und einem achtseitigen Kuppelaufsatz stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und wurde 1966 restauriert. Eine Kirchenrestaurierung fand 1957 statt.
In der einfachen Fassade ist die kleinere mittelalterliche Giebelfront mit Renaissancewandbild enthalten. Das Bild zeigt unter einer Girlande mit Datum 1503 zwei Medaillons mit Daniel und dem heiligen Ludwig IX., den heiligen Johannes der Täufer sowie unter Arkaden die Muttergottes und den heiligen Christophorus. Im unteren Bildstreifen sind die Heiligen Antonius Abt, Bernhard, Bernardino von Siena sowie der Rest eines Verkündigungsengels zu sehen, rechts des Eingangs ist ein unbekannter Heiliger dargestellt. Am Turm befindet sich ein Specksteinrelief des heiligen Martin von 1700. Im Schiff hat sich die bemalte Balkendecke des 17. Jahrhunderts erhalten, der Chor hat ein Kreuz- und Fächergewölbe mit figürlichem und dekorativem Stuck auf farbig getupftem Grund um 1650, wohl von einem Misoxer Meister. Gleichzeitig entstanden die Ölbilder der vier Kirchenväter in den Gewölbeschilden und der Apostel unter dem Gebälk. Über dem Chorbogen sind die Propheten Isaias und Jeremias aus Stuck zu sehen.
Der Choraltar ist ohne Aufbau, aber mit einem Expositorium in Form eines Tempels aus dem Jahr 1771. An der Abschlusswand hat sich das Bild des Kirchenpatrons um 1760-70 erhalten. Am Choreingang befinden sich zwei Wandleuchter um 1710-20, das Chorgestühl ist aus dem 17. Jahrhundert. Die Seitenaltäre aus Stuck stammen von der gleichen Hand wie die Chorstuckaturen, am nördlichen Seitenaltar ist ein Verkündigungsbild aus dem Jahr 1645 von Georg Wilhelm Graesner und eine Scagliolaplatte mit Pelikan von 1730-40 von Giuseppe Pancaldi zu sehen, auf der Gegenseite die Heilung eines Besessenen durch den heiligen Julius. Die Kapellen haben illusionistisch bemalte Kreuzgewölbe, die Malereien der nördlichen Kapelle sind aus dem 19. Jahrhundert, jene der südlichen sind wohl barock. In Letzterer zeigt das Altarbild die Muttergottes mit Kapuzinerheiligen aus der Mitte des 18. Jahrhundert. Der Taufstein mit Holzaufsatz datiert ins 17. Jahrhundert. Über dem Beichtstuhl aus dem 17. Jahrhundert befindet sich eine rechteckige Kanzel mit Reliefs des Kirchenpatrons und der Evangelisten, am Schalldeckel ist zudem das Wappen des Giovanni Martino Bianco von 1722 zu sehen. Ein Gemälde zeigt Christus als Weltenrichter und stammt aus dem 16. Jahrhundert, die Orgel von 1880/94 wurde von Giuseppe Vedani gefertigt und 1982 restauriert.
Das Beinhaus mit Arkadenöffnung stammt aus dem 18. Jahrhundert.
Schlagworte
Art
Parzellennummer
35
Gebäudeversicherungsnummer
37
Nachweis / Literatur
Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Kunstführer durch Graubünden, Bern 2008, S. 314.