Bauwerke
Haus Poo, Sent
Beschreibung
Obwohl das Haus Poo eine ungewöhnliche, direkte Einfahrt zur Scheune von der Strasse her hat, besitzt es doch zahlreiche Eigenschaften eines typischen Engadinerhauses. Dazu gehört unter anderem der Stubenerker, der einen guten Überblick über das Geschehen auf der Strasse erlaubte. Der Bau dieser Erker wurde nötig, als die ehemaligen Holzhäuser aus Brandschutzgründen im 16. Jahrhundert eine Vormauerung erhielten und die dickeren Mauern die Sicht nach draussen erschwerten. Oft zeigten die Erker zu einem Brunnen, wo sich ein Teil des Dorflebens abspielte, der rund 45m vom Haus entfernt gelegene Brunnen der Curtinaglias musste jedoch dem Verkehr weichen. Die Jahreszahl 1939 neben dem Hauseingang verweist auf eine Renovation, während welcher die zahlreichen Frescomalereien auf der Fassade restauriert wurden. Zuvor waren diese unter einem weissen Anstrich versteckt, da viele Hausbesitzer während der Bündner Wirren ihre reichen Fassadendekoration übermalen liessen, um die Tiroler glauben zu lassen, in den Häusern sei nichts zu holen. Erbaut wurde das Haus 1673, die restaurierte Fassademalerei datiert noch in die Bauzeit. Der geschwungene Giebel an der Westfassade kam 1806 dazu.
Im ersten Obergeschoss besitzt das Haus Poo eine weitere Stube, in welcher wichtige Familiendokumente und die Bibel in romanischer Sprache aufbewahrt wurden. Diese Stube blieb stets verschlossen, selbst die Kinder durften sie erst nach der Konfirmation betreten.
Schlagworte
Medientyp
Art
Parzellennummer
10243
Gebäudeversicherungsnummer
1-66
Nachweis / Literatur
Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Kunstführer durch Graubünden, Bern 2008, S. 289.
Infotafel "Sent in 60 Minuten", Stand 2026