Geografische Orte
Castrisch
Deutung
Bisherige Deutungen:
Das RN II, 652 stellt den Namen Castrisch zu lateinisch castrum «Lager, Festung», mit einem Suffix, das nicht sicher ermittelt werden kann. Vorgeschlagen werden ein «illyrisch-rätisches» -īko oder das vorrömische Suffix -ūsiu, das auch im Orts- und Personennamen Ardüsch enthalten sein soll. Auf die abstruse «semitische» Deutung des Namens bei Brunner (1987: 50) und Brunner/Toth (1987: 59) wird hier nicht eingegangen (cf. dazu Schorta 1988b: 250). Besprechung:
Gegen die Herleitung von Castrisch aus einer Lokativform *castrici ist lautlich nichts einzuwenden. Wie das RN II, 652 feststellt, würde die Lautentwicklung mit derjenigen von Personennamen wie Henrici > Risch, Felici > Flisch übereinstimmen. Alle anderen Elemente dieses Vorschlags sind jedoch problematisch. (1) Im Gegensatz zu castellum hat lateinisch castrum gemäss RN II, 86 keine sicheren Spuren in der Toponymie Graubündens hinterlassen. Es fehlt auch völlig als Gattungswort im Bündnerromanischen. Gemäss einem Hinweis von C. Tomaschett existieren zudem keine archäologische Hinweise auf die Existenz einer alten Befestigungsanlage in Castrisch. (2) Es ist nicht sinnvoll, das Suffix -īko als «illyrisch-rätisch» zu bezeichnen. Es findet sich auch in einer eindeutig keltischen Bildung wie Turīcum (> Zürich), wo es mit einem Personennamen verbunden ist. Die Existenz von Illyrern in Graubünden wird in der jüngeren Forschung ohnehin in Abrede gestellt (cf. Risch 1984: 26). (3) Neben der Endung -ūsiu müssten zumindest auch -ēsiu und-īsiu in Betracht gezogen werden, die zum selben Resultat führen (cf. RN II, 667, s.v. Culmísch). (4) Als Alternative könnte an eine Herleitung vom mehrfach belegten lateinischen Personennamen Castrius (Schulze, 270, 333, 337) oder Castricius (Schulze, 110, 131, 270, 334) gedacht werden. Der Name Castricius ist noch im Hochmittelalter (um 600) gebräuchlich (Chambon/Greub 2000: 152). Die lautliche Entwicklung wäre in diesem Fall völlig identisch mit derjenigen von Henricius und Felicius. Zu einer sicheren Deutung fehlen jedoch historische Hinweise auf einen Besitzer dieses Namens.
Deutung:
Herkunft und Bedeutung des Namens Castrisch sind unsicher; eine Herleitung aus dem Personennamen Castricius ist nicht auszuschliessen. Der Name würde somit ursprünglich «(Hof, Besitz des) Castricius» bedeuten. jk/ksArt
Höhe (Meter über Meer)
1335
Fläche
7197 km²
Flächenkoordinaten
737362 , 181718
Gemeinde
Ilanz/Glion
Region
Surselva
Kanton
Graubünden
Bemerkungen
1 Kopie des 16. Jahrhunderts. Deutschsprachige Namenform: Kästris (offizieller Gemeindename bis 1943).
Quelle
https://search.ortsnamen.ch/de/record/802003571/
Historische Nachweise
- 765: pradum in Castrices (BUB I, 16)
- 765: terram quam tenet Drucio in Castrice (BUB I, 20)
- 801-501: In Castrisis ecclesia sancti Georgii (BUB I, 393)
- 1137: Hugo et Heinricus de Castrisis (BUB I, 219)
- 1160: Albertus de Castris (BUB I, 254)
- 1258: Ch. de Castrîs (BUB II, 369)
- 1258: domini Conradi de Kastres (BUB II, 370)
- 1261: C. de Chestris (BUB II, 389)
- 1492: Gastrisch (RN II, 651)
- 1500: Kästris (RN II, 651)
Nachweis / Literatur
- Planta, Robert von / Schorta, Andrea: Rätisches Namenbuch. Bd. 1: Materialien. Bd. 2: Etymologien. Bd. 3, Teile I + II: Die Personennamen Graubündens bearbeitet und herausgegeben von Konrad Huber. Bern, Francke, 1985-1986. - https://www.ortsnamen.ch/de/regionale-projekte/kanton-graubuenden
- Kristol, Andres (u.a.): Dictionnaire toponymique des communes suisses DTS. Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen LSG. Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri DTS. Frauenfeld 2005.
- Material aus dem Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS) - http://www.sprachatlas.ch
- Meyer-Marthaler, Elisabeth/Perret, Franz (1955), Bündner Urkundenbuch. I: 390-1199. Chur: Bischofberger
- Meyer-Marthaler, Elisabeth/Perret, Franz (1973), Bündner Urkundenbuch. II: 1200-1275. Chur: Bischofberger
- Schorta, Andrea (1964), Rätisches Namenbuch. II: Etymologien. Bern: Francke