Fundstellen
Welschdörfli
Titel / Bezeichnung
Welschdörfli
Datum
650 v. Chr. bis 450
Epoche
Eisenzeit (800 v. Chr.–0) , Latènezeit (450–0 v. Chr.) , Römerzeit (500 v. Chr.-500 n. Chr.)
Institution
Beschreibung
Die Kantonshauptstadt Chur liegt auf dem Schwemmfächer der Plessur, an der Mündung des Schanfiggs ins Rheintal. Auf der linken Plessurseite, gegenüber der Altstadt, befindet sich das Quartier Welschdörfli (dt. welsch für romanischsprachig). In diesem Bereich wurden bereits im 19. Jahrhundert die ersten Funde gemacht. Die erste Ausgrabung fand 1902 statt, gefolgt von weiteren Beobachtungen und kleineren Untersuchungen. Ab 1962 führte das Rätische Museum, ab 1967 der Archäologische Dienst Graubünden an mehreren Orten im Welschdörfli Ausgrabungen durch. Dabei konnten Siedlungsreste der Jungsteinzeit, der Bronze- und Eisenzeit und der römischen Epoche dokumentiert werden. Vor der Eroberung und Eingliederung ins römische Reich 16./15 v. Chr., die neben zahlreichen Neuerungen auch den Steinbau brachten, waren die Häuser in Graubünden komplett aus Holz errichtet, ausgestattet mit einer einfachen Feuerstelle aus Steinplatten. In einem abgebrannten Wohnhaus der Eisenzeit lagen an der Stelle, wo der Webstuhl gestanden hatte, noch die Tongewichte der Kettfäden. Deutlich umfangreicher und vielfältiger als die vorgeschichtlichen Befunde und Funde ist der Bestand der römerzeitlichen Relikte. Als bedeutender Zentralort am Scheideweg Richtung Süden über den Julierpass und den Splügen- bzw. San Bernardinopass entstanden schon im 1. Jahrhundert zahlreiche Wohnbauten, ein Verwaltungsgebäude, Werkstätten und auch eine Badeanlage (Therme). Hervorragend erhalten und unter einem Schutzbau der Öffentlichkeit zugänglich ist das sog. Haus des Merkurs, benannt nach der darin entdeckten und wieder am ursprünglichen Standort aufgestellten Wandmalerei mit der Darstellung des Merkurs, des Götterboten und Gottes der Händler und Diebe. Dieser Bau dürfte einer Händlervereinigung, die den Gütertransport über die Alpen organisierte und durchführte, als Gemeinschaftsgebäude gedient haben. Seit dem Ende des 3. Jahrhunderts war Chur mit dem Kastell auf dem Hofhügel die Residenz der neu geschaffenen Provinz Raetia prima Curiensis. Die Besiedlung im Welschdörfli bestand bis in die Spätantike fort. Danach verlagerte sich diese nach und nach auf die andere Plessurseite, an den Fuss des Kastellhügels, wo sich in den folgenden Jahrhunderten die mittelalterliche Stadt entwickelte.
Schlagworte
Weitere Identifikationsnummern
FS70574 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS70575 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS70586 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS70588 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS70615 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes)
Höhe (Meter über Meer)
593
Parzellennummer
2517