Fundstellen
St. Martin
Titel / Bezeichnung
St. Martin
Datum
750 bis 1510
Epoche
Mittelalter (700-1500 n. Chr.)
Institution
Beschreibung
Die Kantonshauptstadt Chur liegt auf dem Schwemmfächer der Plessur, an der Mündung des Schanfiggs ins Rheintal. St. Martin, die grösste spätgotische Kirche Graubündens, steht in der Altstadt im Bereich der frühmittelalterlichen Stadterweiterung, dem "burgus superior". Sie wird im 8. Jahrhundert zu Beginn der karolingischen Herrschaft erstmals urkundlich erwähnt. 958 geht die Kirche als Schenkung König Otto I. in den Besitz des Bistums Chur über. Seit 1220 sind die Pfarrrechte von St. Martin belegt. Die karolingische Kirche war so grosszügig bemessen, dass sie 700 Jahre in ihrer Form nicht verändert werden musste. Die einzigen nachträglichen Erweiterungen betreffen den Bau eines Glockenturms und einer Halle vor der Westfassade. Beim Stadtbrand von 1464 wurde die Kirche schwer beschädigt. Der Wiederaufbau, der einem Neubau gleichkam, lag in den Händen des Churer Stadtbaumeisters Steffan Klain. Zwischen 1473 und 1491 wurde das karolingische Schiff nach Osten verlängert, eingewölbt und mit einem ebenfalls eingewölbten Polygonalchor ergänzt. Der Bau des neuen Glockenturms war 1535 abgeschlossen. In der Reformation trat die Stadt 1527 zum neuen Glauben über. 1529 wurde der Hochaltar entfernt, der Kirchenschatz bis 1532 verkauft. Den Friedhof, der sich bis anhin um die Kirche befand, hob man auf und verlegte ihn vor die Stadt in die Scaletta. Auf das 17. Jahrhundert geht der Einbau der Emporen in St. Martin zurück. 1918 erhielt der um ein Geschoss erhöhte Turm den Spitzhelm, der ihn zu einem weit sichtbaren Wahrzeichen der Altstadt machte. Im Zuge der damaligen Umbauten und Renovationsarbeiten fanden im Inneren von St. Martin erste Ausgrabungen statt. Bauarchäologische Untersuchungen folgten im Zeitraum von 1989 bis 2010. Die karolingische Kirche des 8. Jahrhunderts ist als Saalkirche mit drei hufeisenförmigen Apsiden dokumentiert. Authentisch ist dieser, im Alpenraum verbreitete Kirchenbautyp in der ehemaligen Klosterkirche St. Peter in Mistail, Gemeinde Albula/Alvra, erhalten.
Schlagworte
Art
Weitere Identifikationsnummern
FS27297 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS70632 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes)
Höhe (Meter über Meer)
600
Parzellennummer
3003