Fundstellen
St. Stephan
Titel / Bezeichnung
St. Stephan
Datum
500 bis 525
Epoche
Mittelalter (700-1500 n. Chr.)
Institution
Beschreibung
Die in der Kantonshauptstadt Chur gelegene Kirche St. Stephan ist im 5. Jahrhundert am Hang des Mittenberges, oberhalb des bischöflichen Hofes erbaut worden. Im 6. Jahrhundert errichtete man darüber eine Gedächtniskirche als zweites Gotteshaus. St. Stephan diente bis ins 9. Jahrhundert der Elite des Churer Bistumsklerus als Grablege. Vom Spätmittelalter bis in die frühe Neuzeit verlor die Kirche zunehmend an Bedeutung. Im 17. Jahrhundert war die Oberkirche gemäss einer zeitgenössischen Abbildung bereits abgegangen. In letzter Nutzung diente der Grabraum während der Bündner Wirren den österreichischen Truppen für die Lagerung ihrer Munition. Verfüllt und verborgen unter Hangschutt ging der Kirchenbau danach vergessen. Wieder entdeckt wurde St. Stephan 1851 beim Bau der ersten Kantonsschule. Die vollständige Ausgrabung erfolgte erst 100 Jahre später, zwischen 1955 und 1957. Beim Bau der neuen Kantonsschule in den 1970er-Jahren wurde der Grabbau in einem separierten Raum in das Gebäude integriert. Seit 2010, dem Abschluss der Renovation und Sanierung der Kantonsschule, ist St. Stefan als Ausstellung der Öffentlichkeit in einem museal gestalteten Schutzbau zugänglich. Die geostete Grabkirche besteht aus einem Hauptraum mit Tonnengewölbe und einen vorgesetzten Anbau. In den Boden sind zehn, ursprünglich wohl zwölf gemauerte Grabschächte eingetieft. In der bergseitigen Schildmauer ist der Reliquienstollen eingelassen, über dem sich eine rundbogige Apsidiole öffnet, die von zwei Lichtnischen flankiert ist. Die Apsidiole war mit einem in Resten erhaltenen Mosaik geschmückt, welches das Lamm Gottes auf dem Paradiesberg mit den vier Paradiesflüssen darstellte. Auf der darüber liegenden Wandfläche sind als Malerei die zwölf Apostel im endzeitlichen Paradies und der Paradiesberg abgebildet. Das Tonnengewölbe ist von aufgemalten Weinranken überzogen, die von Tauben und Pfauen bevölkert sind. Die Sockelzone des Raumes ist mit Marmorimitationen geometrischer Formen geschmückt. Von der Oberkirche sind die Mosaiken erhalten, welche die hufeisenförmige Priesterbank umliefen.
Schlagworte
Trachsler-Klassifikation
1.226.10 Kirchenwände, -mauern (kirchl. Wandmalereien [alle Techniken], verbaute Schallgefässe zur Akustikverbesserung ("Schalltöpfe") usw. , 6.208.2 Grabkult (Totenbretter, Grabkreuze/Grabstecken, Grabplatten/Grabsteine/Epitaphien, Grabskulpturen, Totenleuchten/Friedhofleuchten usw.) , 7.011 Reliquiare
Art
Weitere Identifikationsnummern
FS10403 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes)
Höhe (Meter über Meer)
640
Parzellennummer
2687