Fundstellen
St. Nicolai
Titel / Bezeichnung
St. Nicolai
Datum
4. Jh. bis 1299
Epoche
Mittelalter (700-1500 n. Chr.) , Neuzeit (1500 n. Chr.-heute)
Institution
Beschreibung
Die Kantonshauptstadt Chur liegt auf dem Schwemmfächer der Plessur, an der Mündung des Schanfiggs ins Rheintal. Die Bauten des Klosters St. Nicolai befinden sich im ehemals gleichnamigen Quartier am Westrand der Altstadt. Heute lässt nur noch die U-förmige Anordnung der Gebäude die klösterliche Anlage erahnen. In den umgebauten Räumlichkeiten sind nun eine Primarschule, Teile der kaufmännischen Berufsschule und die Stadtpolizei sowie der Trauungssaal des Zivilstandsamtes untergebracht. Umfassende archäologische und baugeschichtliche Untersuchungen konnten zwischen 1996 und 2003 im Rahmen der Sanierungs- und Renovationsarbeiten durchgeführt werden. Wie Befunde und Funde, darunter ein Münzschatz belegen, war das Gelände schon im 10. Jahrhundert, vor der Klostergründung mit einzelnen Stein- und Holzgebäuden belegt, neben denen auch ein Bestattungsplatz lag. Der Grundstein für das Dominikaner-Kloster wurde 1288 gelegt, 1299 waren die Konventsgebäude mit der Weihung von fünf Altären unter dem Hauptpatrozinium zu Ehren von St. Nikolai abgeschlossen. Die Klosterkirche war ein rechteckiger Saalbau mit eingezogenem Polygonalchor und Turm. Nördlich an den Chor grenzte der Osttrakt des Konventgebäudes mit Sakristei, Kapitelsaal, Klosterpforte und Refektorium an. Der Friedhof samt Ummauerung lag südlich der Kirche. Nach dem Stadtbrand von 1350, bei dem ein grosser Teil des Klosters zu Schaden kam, wurde die Klosteranlage wiederhergestellt. Beim grossen Umbau im Jahre 1488 erhielt die Kirche einen neuen Lettner mit einem reich geschmückten, qualitiativ hochstehenden Backsteingewölbe, von dem ein umfangreicher Bestand bei den Untersuchungen geborgen werden konnte. In der Reformation zog die reformierte Stadt die Besitzungen des Klosters mit Ausnahme der Konventsgebäude und der Kirche ein. Die Dominikaner durften bleiben und weiterhin Gottesdienste abhalten. Beim Stadtbrand von 1574 wurde auch die Klosteranlage teilweise zerstört, die Bibliothek ein Raub der Flammen. Während der Gegenreformation kam es von 1624–1640 zur Wiederherstellung des Klosters und dem Anbau einer Seitenkapelle mit Rosenkranzaltar. 1658 erfolgte nach Verfehlungen des Priors der erzwungene Verkauf des Klosters an die Stadt. Ab 1675 wurden die Räume zu profanen Zwecken umgenutzt (Pfisterzunft, Korn-/Reishaus, Zeughaus). Im 19. Jahrhundert schliesslich richteten sich nach dem Abbruch von Turm, Chor und Seitenkapelle und Umbauten im Nord- und Osttrakt die Kantons- und die Stadtschule ein.
Schlagworte
Weitere Identifikationsnummern
FS70651 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS70652 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS70653 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS70654 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS70655 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes)
Höhe (Meter über Meer)
595
Parzellennummer
3202