Fundstellen
Münzmühle
Titel / Bezeichnung
Münzmühle
Datum
14. Jh. bis 20. Jh.
Epoche
Mittelalter (700-1500 n. Chr.) , Neuzeit (1500 n. Chr.-heute)
Institution
Beschreibung
Die Kantonshauptstadt Chur liegt auf dem Schwemmfächer der Plessur, an der Mündung des Schanfiggs ins Rheintal. Der Hof befindet sich oberhalb der Altstadt, rechts der Plessur. Das historische Gebäude der Münzmühle befand sich im Quartier Sand südöstlich unterhalb des Hofes und musste 2014/2015 dem Neubau der Mensa und Mediathek der Kantonsschule sowie einem Kulturgüterschutzraum weichen. Im Vorfeld wurde das Gebäude, welches aus dem 19. Jahrhundert stammte und Vorgängerbauten integrierte, vom Archäologischen Dienst Graubünden bauarchäologische untersucht sowie die Fläche grossflächig ausgegraben. Die Münzmühle wurde 1592 als bischöfliche Prägestätte "Münz" in der Flur Sand eingerichtet. Ab 1637 wurden hier sowohl die bischöflichen als auch die städtischen Münzen geprägt. Dies, nachdem sich die beiden Prägestätten zusammengeschlossen hatten. Die Prägetätigkeit wurde 1766/1767 aufgegeben. Aus historischen Quellen geht hervor, dass die Münzmühle zugleich als Schmiede, Metallwerkstätte, Kornmühle, Sägerei, Wohnraum, Viehstall und Schulhaus genutzt wurde. Bei den Ausgrabungen konnte ein einräumiger Bau unbekannter Funktion, der wohl im 14. Jahrhundert errichtet wurde, nachgewiesen werden. Dieser wurde dann im 15. Jahrhundert zu einem mehrräumigen Gebäude mit rundbogigem Portal ausgebaut. Im 16. Jahrhundert erfolgte der Einbau einer hölzernen Konstruktion eines durch Mühlräder angetriebenen Hammerwerks zur Metallverarbeitung. Das dazu benötigte Wasser für den Antrieb wurde mit Hilfe von Kanälen aus der nahegelegenen Plessur herangeführt. Im 17. Jahrhundert folgte die Integration einer Ofenanlage und eines dazugehörenden Holzkanals in die bestehende Anlage, die eindeutig mit der Prägetätigkeit in Verbindung stehen. Neben den baulichen Strukturen fanden sich auch zahlreiche Funde, die auf die Münzproduktion zurückgehen, wie beispielsweise Tiegel, Schrötlinge, Zainreste und die Walze eines Streckwerks. Nach 1767 wurde das Gebäude wieder zur Kupferschmiede umfunktioniert, in der man, wie ein Bruchglasdepot belegt, auch Glasprodukte herstellte. Eine Getreidemühle aus der Mitte des 19. Jahrhunderts im südlichen Trakt sowie eine noch etwas später an die Südseite angebaute Sägerei bildeten die letzten grossen baulichen Veränderungen. Es folgten lediglich noch weitere kleinere Umbauten und technischen Neuerungen bevor der Gewerbebetrieb schliesslich in den 1980er Jahren endete.
Schlagworte
Trachsler-Klassifikation
1.221.5 Tiefbaukunde (Strassen, Brücken, Kanäle, Tunnels usw.) , 1.231.2 Mühlebauten , 4.120.4 Getreidemühlen , 4.222 Sägerei , 4.262 Schmiede, Schlosserei , 4.262.01 Kupferschmiede , 4.262.152.1 Schmelztiegel , 8.141 Münzprägung , 8.141.0 Geschichte der Münzprägung , 8.141.1 Münzprägestempel, Münzprägepressen
Art
Weitere Identifikationsnummern
FS70613 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS70614 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes)
Höhe (Meter über Meer)
607
Parzellennummer
2794