Fundstellen
Kloster St. Martin
Titel / Bezeichnung
Kloster St. Martin
Datum
600 bis 1300
Epoche
Mittelalter (700-1500 n. Chr.)
Institution
Beschreibung
Die Gemeinde Disentis/Mustér liegt im oberen Teil der Surselva, an der Verzweigung der Wege zu den Pässen Oberalp und Lukmanier. Das Benediktiner Kloster St. Martin steht am Hang nordwestlich des Ortskerns. Nach der Legende liess sich der Eremit Sigisbert am Ende des 7. Jahrhunderts in der Einöde (Desertina) nieder, wo sich der einheimische Adlige Placidus ihm anschloss. Bischof Victor von Chur befürchtete den Verlust seines Einflusses in der Surselva und liess Placidus deshalb ermorden. Neben seinem Grab soll auch Sigisbert bestattet worden sein. Als Klostergründer gilt Ursicinus, der im 8. Jahrhundert den Bau der ersten Kirchen veranlasste und als Abt der Benediktinergemeinschaft bis zu seiner Inthronisierung als Bischof von Chur vorstand. Die heutige Klosteranlage mit der Kirche und den Konventsflügeln geht im Wesentlichen auf den Neubau in den Jahren 1685–1709 zurück. Wiederherstellungen im Inneren waren nach Bränden in den Jahren 1799 und 1846 notwendig. Erste archäologische Untersuchungen fanden zwischen 1891 und 1900 statt. Weitere Ausgrabungen folgten im Zusammenhang mit Umbauten in der Klosteranlage zwischen 1906 und 2008. Die ältesten Spuren einer Bebauung stammen aus der Eisenzeit, um 500 v. Chr. Beim frühesten Steinbau aus dem Frühmittelalter, der Zeit um 600, ist nicht geklärt, ob es sich um ein Hospiz oder um die erste Kirche handelt. Ab dem frühen 8. Jahrhundert werden nebeneinander in kurzer Folge die erste Maria- und die mit einer Krypta ausgestattete Martinskirche gebaut. Herausragend sind Funde aus Stuck von Figuren und geometrischen Ornamenten in byzantinischer Tradition, welche die Martinskirche schmückten. Die beiden Kirchen weichen knapp 100 Jahre später, während der Herrschaftszeit Karls des Grossen, zwei deutlich grösseren Dreiapsidenkirchen, zwischen die noch eine Peterskirche gesetzt wird. Die Kirchen St. Martin und St. Peter wurden im 18. Jahrhundert abgebrochen, die Marienkirche 1895 durch einen Neubau ersetzt. 1881 wurde im Kloster ein Gymnasium eingerichtet, an dem bis heute unterrichtet wird.
Schlagworte
Weitere Identifikationsnummern
FS838 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS27095 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS27100 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS35601 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS68442 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes)
Höhe (Meter über Meer)
1164
Parzellennummer
580