Fundstellen
Castiel-Carschlingg
Titel / Bezeichnung
Castiel-Carschlingg
Datum
1600 v. Chr. bis 700
Epoche
Bronzezeit (2200–800 v. Chr.) , Eisenzeit (800 v. Chr.–0) , Latènezeit (450–0 v. Chr.) , Römerzeit (500 v. Chr.-500 n. Chr.) , Mittelalter (700-1500 n. Chr.)
Institution
Beschreibung
Auf der nördlichen Talseite des Schanfiggs liegt südwestlich des Dorfes Castiel der Hügel Carschlingg. Auf dem 75 x 15 m messenden Plateau führte der Archäologische Dienst Graubünden 1975 bis 1977 im Zuge des Schulhausneubaus eine Grabung durch. Dabei zeigte sich anhand von Keramikfunden, dass hier bereits in der Mittelbronzezeit gesiedelt wurde. Auf dem südlichen Plateau wurde ein in den Hang eingeschnittenes Haus mit einfacher Trockenmauerkonstruktion und einer mehrphasigen Feuerstelle dokumentiert. Aufgrund der darin gefundenen Tierknochen- und Keramikfragmenten sowie der Bronzenadel mit grosser Kopfzier liegt eine Datierung in die späte Hallstattzeit nahe.
Im östlichen Bereich des Hügelplateaus wurde 1975 in einer Grube ein Negauer Helm entdeckt. Während der gegossene Kopfschutz auf der Innenseite rau belassen wurde, ist er auf der Aussenseite poliert und verziert. Auf der Krempe ist innen mit drei Nieten ein bandförmiges Futterblech mit 18 Haken angebracht. Der Helm wurde namensgebend für eine Untergruppe der Italischen Helme (Alpiner Typus mit Flechtbandzier). Zusammen mit weiteren Funden aus der Latènezeit weist er daraufhin, dass der Hügel bis in die jüngere Eisenzeit begangen wurde.
An derselben Stelle wie das hallstattzeitliche Haus wurde in spätrömischer Zeit erneut ein Gebäude errichtet. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts n. Chr. wurde der Hügel mit einer am unteren Plateaurand umlaufenden Mauer befestigt. Im Inneren der Befestigung wurden die Überreste von mindestens 12 grubenartigen Häusern nachgewiesen. Sie waren so angeordnet, dass die innere Plateaufläche vorwiegend unbebaut blieb. Die Häuser waren sowohl in Block- als auch in Fachwerkbauweise errichtet. Einzig im östlichen Teil der Siedlung befand sich ein gemauertes Gebäude mit trapezförmigem Grundriss (Wachturm?). Die Siedlung brannte vermutlich in spätrömischer Zeit komplett nieder.
Im Laufe des 6. Jahrhunderts wurde das Hügelplateau mit einer hölzernen Doppelpfostenanlage befestigt. Im Osten des Plateaus wurden zwei Steinhäuser und zwei grössere Pfostenbauten dokumentiert. Insgesamt fanden sich über den gesamten Hügel verteilt mehr als 200 frühmittelalterliche Pfostenlöcher. Die Besiedlung wurde am Ende des 7. Jahrhunderts endgültig aufgegeben.
Schlagworte
Weitere Identifikationsnummern
FS550 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS19202 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS19203 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS19204 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS19205 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes)
Höhe (Meter über Meer)
1200
Parzellennummer
30189