Fundstellen
Cadra
Titel / Bezeichnung
Cadra
Datum
15 v. Chr. bis 400
Epoche
Römerzeit (500 v. Chr.-500 n. Chr.)
Institution
Beschreibung
Am nördlichen Rand des historischen Kerns von Riom liegt die Flur Cadra. Hier entdeckte 1974 anlässlich einer Strassenverbreiterung eine Privatperson Mauerreste und römische Funde. In der Folge führte der Archäologische Dienst Graubünden 1974 und 1975 Ausgrabungen durch, die einen zweiphasigen Gebäudekomplex mit mindestens drei Räumen ans Licht brachten, der durch frühere Strassenbauaktivitäten bereits stark gestört war. Die Abänderung des Zonenplans machte 1979 Sondierungen in den umliegenden Grundstücken und in deren Folge von 1980 bis 1983 weitere Grabungen nötig. Es konnten ein weiterer grösserer Gebäudegrundriss sowie zwei weitere Steinbauten, eine davon mit Hypokaustanlage, und weitere Holzgebäude verschiedener Zeitstellungen aufgedeckt und untersucht werden. Der Bau eines Parkplatzes führte 2006 zu einer erneuten archäologischen Baustellenbegleitung. Hierbei wurde ein natürlicher Graben freigelegt, der der römischen Siedlung als Abfalldeponie diente. Anhand der Befunde und Funde konnte eine Siedlungskontinuität vom zweiten Viertel des 1. Jahrhunderts bis ins Hochmittelalter nachgewiesen werden. Aus der frühesten Phase, die in tiberische Zeit zu legen ist, konnten vier Holzgebäude, wovon zwei sicher als Wohngebäude und die beiden anderen als Nebengebäude anzusprechen sind, nachgewiesen werden. Um 50/60 werden diese durch ein steinernes Hauptgebäude ersetzt. Spätestens in dieser Siedlungsphase handelt es sich um eine römische Raststation oder Herberge, die auf dem Weg zwischen Chur und dem Julierpass lag. Später wird ein weiteres Gebäude mit Feuerstelle und mehreren Gruben errichtet. Dieses Gebäude brennt Anfang des 2. Jahrhunderts, vermutlich gemeinsam mit weiteren Bauten und Teilen des Hauptgebäudes, nieder. Im zweiten Viertel des 2. Jahrhunderts wurde ein Teil dieser Gebäude wiederaufgebaut bzw. neue erstellt, u.a. ein Haus mit drei Räumen und Hypokausanlage. Neben diesem gab es bereits drei weitere Bauten mit beheizbaren Räumen, was den Reisenden auch im Winter einen gewissen Komfort ermöglichte. Für die Spätantike lassen sich im Bereich der bereits aufgelassenen Gebäude drei Gruben nachweisen, von denen eine mit den sterblichen Überresten von zwei fötalen oder perinatalen Individuen verfüllt war. Im späten 4. und frühen 5. Jahrhundert wurde die römische Raststätte aufgegeben. Nach Abgang der Steingebäude wurde an gleicher Stelle bereits Ende des 5. Jahrhunderts eine frühmittelalterliche Siedlung, u.a. ein Firstpfostenbau, errichtet.
Schlagworte
Abfalldeponien , Brände , Feuerstellen , Gebäude , Gruben , Gräben , Herbergen , Holzgebäude , Hypokaustanlagen , Mauern , Pfostenbauten , Raststationen , Steinbauten , Wohnbauten
Weitere Identifikationsnummern
FS2506 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes
Höhe (Meter über Meer)
1237
Parzellennummer
6102, 6105