Fundstellen
Hohenrätien
Titel / Bezeichnung
Hohenrätien
Datum
1100 v. Chr. bis 1410
Epoche
Bronzezeit (2200–800 v. Chr.) , Eisenzeit (800 v. Chr.–0) , Römerzeit (500 v. Chr.-500 n. Chr.) , Mittelalter (700-1500 n. Chr.)
Institution
Beschreibung
Auf einem Felskopf über dem Hinterrhein und über dem östlichen Zugang zur Viamala thront die Burganlage Hohenrätien (Hochrialt, rom. Munt Son Gion). Bereits im 19. Jahrhundert wurden einzelne spätbronzezeitliche Metallfunde im Bereich der Burg gemacht. Bei Sondierungen 1933 und 1958 konnten zusätzlich prähistorische Kulturschichten festgestellt und Keramikfragmente geborgen werden. Erneute Untersuchungen durch die Abteilung Ur- und Frühgeschichte der Universität Zürich lieferten zwischen 1995 und 1997 den Nachweis mehrerer Siedlungsperioden von der Spätbronzezeit, über die Eisen- und spätrömische Zeit bis hin ins Frühmittelalter. Bei weiteren archäologischen Grabungen von 1999 bis 2006 konnte im Bereich der Burganlage ein spätantiker bzw. frühmittelalterlicher Gebäudekomplex mit Baptisterium freigelegt werden. Der älteste Kern dieser Anlage bildete ein annähernd quadratisches Kirchengebäude, welches ursprünglich in mindestens vier Räume aufgeteilt war. Das Schiff und der Chor waren durch eine hölzerne Chorschranke abgetrennt. Im Osten wurde ein grösserer Annex und im Norden später das Baptisterium angeschlossen. Bei der Taufkapelle handelte es sich um einen kleinen einfachen Saalbau mit ausgemauerter Apsis im Osten. In der Mitte des Raums befand sich ein oktogonal gemauertes Taufbecken (piscina). Aufgrund der Grösse, Form und Gestaltung des Taufbeckens und des Kapellenraums kann der Bau ins 5. bis 7. Jahrhundert datiert werden.
Eine Kirche wird auf dem Plateau erstmals 1290 als "parochia" erwähnt. Für das linksrheinische Domleschg diente diese bis 1505 als Pfarrkirche. Der hochmittelalterliche Burgkomplex besteht aus einer Kirche und drei Türmen, die alle innerhalb der nach 1160 und vor 1209 errichteten Umfassungsmauer liegen. Die Bauten standen – eher untypisch für Burganlagen – verstreut im nordöstlichen Teil innerhalb des Berings, der beinahe die gesamte Kuppe des Plateaus umfasst. Im Süden befindet sich der 1181 errichtete, sogenannte Hauptturm, der bewohnbar war und in dem sich eine in den Fels gehauene Zisterne befand. Im Osten steht der sogenannte Wachturm, der 1209 erbaut wurde. Nordwestlich von diesem ein weiterer bewohnbarer Turm. Der Hauptturm wurde 1209 erhöht und umgebaut. Die frühmittelalterliche Kirche St. Johann wurde Mitte des 13. Jahrhunderts umgebaut. Vermutlich in Zusammenhang mit der Ernennung zur Pfarrkirche. Das Gotteshaus besitzt nun ein längliches Schiff und einen leicht abgewinkelten, rechteckigen Chor. Im Norden des Langhauses befindet sich ein ursprünglich wohl zum Vorgängerbau gehöriger, freistehender Glockenturm. Die Burganlage "Hochrialt" wurde bereits 1410 aufgelassen und verfiel langsam zur Ruine. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der westliche Turm mit einer Holzkonstruktion überbaut und als Burgenschenke genutzt. Eine dendrochronologische Untersuchung der Burganlage wurde im Zuge der Grabungen 2004 vom Archäologischen Dienst Graubünden durchgeführt. Teile der Burganlage wurden 2005 schliesslich restauriert.
Schlagworte
Annexbauten , Baptisterien , Burgen , Gebäude , Glockentürme , Keramik , Kirchen , Saalbauten , Taufbecken , Taufkapellen , Türme , Umfassungsmauern , Wachtürme
Trachsler-Klassifikation
0.10 Ur- und frühgeschichtliche Artefakte (Bodenfunde, Grabungsfunde, nach Epochen bzw. chronologisch) , 1.226.14 Chorabschrankungen (Chorgitter, Chorschranken, Transennen usw.) , 1.229.011 Hofbrunnen, Hausbrunnen (Sodbrunnen, Ziehbrunnen, Laufbrunnen [inkl. Wasserpumpen], Zisternen) , 4.220.1 Holzaltersbestimmung (Dendrochronologie, Radiokarbonmethode)
Art
Weitere Identifikationsnummern
FS3230 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS69810 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS69811 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS69812 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes)
Höhe (Meter über Meer)
945
Parzellennummer
535