Fundstellen
St. Martin
Titel / Bezeichnung
St. Martin
Datum
475 bis 1510
Epoche
Mittelalter (700-1500 n. Chr.) , Neuzeit (1500 n. Chr.-heute)
Institution
Beschreibung
Die heute reformierte Kirche St. Martin steht westlich des Dorfkerns von Zillis und gilt als Mutterkirche des Schams, Rheinwalds und Avers. Sie wird erstmals um 842/843 im karolingischen Reichsguturbar als "ecclesia plebeia" erwähnt. Zunächst war sie Eigenkirche des Klosters Pfäfers bevor sie 940 von Kaiser Otto I. dem Bistum Chur geschenkt und 1357 dann dem Domkapitel einverleibt wurde. In den Jahren 1530 bis 1535 wurde die Kirche St. Martin reformiert.
Bei archäologischen Grabungen von 1938 bis 1940 wurden neben einer römischen Kulturschicht auch zwei vorromanische Kirchenbauten nachgewiesen. Durch den Ausbau eines profanen Gebäudes wohl um 500 entstand zunächst eine rechteckige Saalkirche mit Binnenapsis (Bau I). Nördlich davon schliesst ein Annexbau mit drei Räumen an. Im westlichen Raum konnte eine Herdstelle gefasst werden, während der Mittlere verputzte Innenwände und einen Putzboden aufweist. Möglicherweise handelt es sich hierbei um ein Baptisterium. Um 800 wurde Bau I zu einem Dreiapsidensaal (Bau II) umgebaut. Die Integration einer karolingischen Apsidenanlage in einen Vorgängerbau stellt für Graubünden eine Besonderheit dar. Innerhalb der Kirchenmauern wurden acht Gräber dokumentiert, davon eines mit Totenbaum. Die Gräber datieren ins Früh- bzw. Hochmittelalter. Um 1100 wurde die Kirche vollständig erneuert. Bau II wurde durch eine einschiffige Kirche in Quaderwerk ersetzt. Der romanische Neubau besitzt einen annähernd quadratischen Chor und kann dendrochronologisch nach 1096 datiert werden. Der Turm wurde nach 1101 fertig gestellt. Wohl nach 1116 wurde die Bilderdecke angefertigt. Diese besteht aus insgesamt 153 ornamental gerahmten, buntbemalten Einzelfeldern. In den 105 Binnenfeldern wird die neutestamentliche Heilsgeschichte erzählt. In der letzten Reihe schliessen sich Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons St. Martin an. Die Anordnung der Bilder wurde allerdings 1939/1940 neu zusammengesetzt. Die ursprüngliche Reihung ist nicht bekannt. Um 1509 wurde der romanische Rechteckchor durch einen spätgotischen Polygonalchor ersetzt. Nach der Reformation erfuhr das Kircheninnere weitere Änderungen. 1574 wurde im Kirchenschiff ein neuer Dachstuhl eingezogen. Der Spitzhelm des Turms stammt aus dem Jahr 1677.
Schlagworte
Art
Weitere Identifikationsnummern
FS4502 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS70398 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes) , FS70399 (Imdas, interne Inventarnummer des Archäologischen Dienstes)
Höhe (Meter über Meer)
932
Parzellennummer
195