Programm und Spezialanlässe

Heute dauert ein Eidgenössisches Schützenfest in der Regel etwa einen Monat und folgt einem dicht getakteten Programm. Neben dem regulären Schiessen, das während dieser Zeit täglich – auch sonntags – stattfindet, sorgen diverse Spezialwettkämpfe für zusätzliche Höhepunkte: Jugendtag, Armeewettkampf, Auslandschweizertag, Akademikertag, Eidgenössische Ständematche, Königsausstiche, Absenden. Ein besonderes Highlight für die gastgebende Stadt ist der offizielle Festtag mit einem Umzug, der die gesamte Bevölkerung zum Mitfeiern einlädt. Auch viele bekannte Persönlichkeiten, wie Bundesräte (z. B. Felix Calonder 1949, Jean-Pascal Delamuraz und Kurt Furgler 1985), liessen und lassen sich das Eidgenössisches Schützenfest nicht entgehen.

Am Eidgenössischen Schützenfest 1949 hielt der Fotograf Reinhardt die Stimmung in Chur eindrücklich fest:

Stadtarchiv Chur Foto Reinhardt
156 Treffer

Wenn sich jedoch ein Laie zum Schützenfest begibt, dann merkt er schnell: Die Welt der Schützinnen und Schützen hat eine ganz eigene Sprache. Stich, Passe, Musche oder Rangeur, Königsausstich, Absenden.

Schützinnen und Schützen können bei einem Schützenfest an verschiedenen Disziplinen, sogenannten Stichen, teilnehmen. Diese unterscheiden sich durch die Feuerwaffe, die Distanz, die Schusszahl und Wertung. Ein Stich kann zudem in mehrere Passen unterteilt sein, die Serien mit Schüssen und einem Zwischentotal umfassen. Das Ziel einer jeden Schützin, eines jeden Schützen ist klar: möglichst viele Punkte zu erzielen. Im besten Fall wird ein Musche, ein Volltreffer, gelandet. Früher wurden die geschossenen Stiche auf Schiesskarten verzeichnet. Eine solche Karte vom Eidgenössischen Schützenfest 1842 in Chur ist im Rätischen Museum erhalten geblieben:

Der Begriff «Rangeur» ist das Zeitfenster, in dem das Schiessen vor Ort möglich und eine Scheibenbahn für einen gewissen Stich reserviert ist. Vor Ort am Stand sorgen die Schiessmeisterinnen und -meister für einen korrekten und reibungslosen Ablauf sowie für Sicherheit und Ordnung. Wer wann schiessen darf, wird vom Organisator des Schützenfestes im Voraus festgelegt und die Schiesspläne publiziert. Dabei können sich Schützinnen und Schützen individuell oder durch Vereine und als Gruppe anmelden. Die Spezialwettkämpfe stehen nur gewisse Personen frei: Am Auslandschweizertag etwa starten nur im Ausland lebende Schützinnen und Schützen, während am Königsausstich am letzten Festtag ausschliesslich die Besten antreten und um den Titel der Schützenkönigin oder des Schützenkönigs kämpfen.

Abgeschlossen wird das Schützenfest nicht, wie man erwarten würde, am letzten Tag des Festes, sondern drei Monate später beim Absenden, der feierlichen Rangverkündigung.

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